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Die Scharfenberger Mühle

Der diesjährige "Tag des offenen Denkmals" am 12. September stand unter dem Motto "Wie läuft´s – Schwerpunktthema Wasser". Grund genug, sich einmal mehr den alten Wassermühlen der Region zuzuwenden. Am Tag des offenen Denkmals konnten die früheren Mühlenstandorte Friedrichsgüte bei Gadow und Neuendorf am Brausebach besichtigt werden. Wenn man genauer hinschaut, kann man auch Spuren der Mühlen entdecken. Eine dritte Mühle in der Umgebung ist die Scharfenberger Mühle. Am Tag des offenen Denkmals musste sie leider geschlossen bleiben, denn der bauliche Zustand lässt eine Öffnung nicht zu. Für Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen ist es aber trotzdem ein schöner Ausflugstipp, denn von außen kann der Gebäudekomplex zumindest angesehen werden. Und es handelt sich um einen Standort mit einer langen Geschichte.

Wenn man derzeit die Geschwister-Scholl-Straße (Abzweig an der Ortsverbindungs-straße Wittstock – Kyritz) in Höhe der Mühle betritt, ist nur eine Behelfsbrücke nutzbar. Das Wasser der Dosse, in die kurz zuvor die Glinze mündet, fließt an dieser Stelle mit ziemlicher Kraft.

Vor mehr als 600 Jahren, nämlich 1375, wird der Standort Scharfenberger Mühle das erste Mal erwähnt, 1574 ist es eine Wassermühle mit zwei Gängen. Der Dreißigjährige Krieg bewirkt die Zerstörung der Mühle, 1650 ist sie eingegangen, aber rund 40 Jahre später erwähnt man sie schon wieder in alten Urkunden. Nach einer Erneuerung Mitte des 18. Jahrhunderts müssen etliche Wittstocker Amtsdörfer ihr Getreide zwangsweise in der Mühle mahlen lassen. 

Bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Scharfenberger Mühle der Familie Gadischke. Danach wurde sie enteignet. Die beiden Fotos stammen aus dem Familienbesitz und wurden vermutlich Mitte der 30er Jahren aufgenommen. Deutlich sind Abweichungen zum heutigen bauliche Erscheinungsbild der alten Mühle zu erkennen. Besonders fällt natürlich der große Mühlenteich ins Auge, der schon viele Jahre nicht mehr existiert.

 

Die Mühle in den 30er Jahren 1

 

Die Mühle in den 30er Jahren

 

Die Familie Gadischke war bereits in den 50er Jahren nach Kolumbien ausgewandert. Einer der jetzigen Eigentümer, ein Enkel des letzten Müllers Otto Gadischke nämlich, kam kürzlich nach Wittstock und ermöglichte den Zutritt in die Mühle. Bauliche Schäden weist besonders der linke Trakt auf. Auch dem eigentlichen Mühlengebäude ist die lange Zeit anzusehen, in der es nicht genutzt wurde. Interessant ist das Gebäude allemal. Zu Zeiten der DDR betrieb man die Mühle als staatliche Futtermühle. Veränderungen wurden kaum vorgenommen. So war es auch für den Enkel eine Reise in die Vergangenheit, "gespickt" mit den Spuren seines Großvaters. Neben einer für damalige Verhältnisse teuren Getreidewaage, die Otto Gadischke selbst hatte einbauen lassen, ist vor allem ein Spruch an der Wand unmittelbar auf den Großvater zurückzuführen.

Sinnlos darauf hinzuweisen, dass der Satz bis heute Gültigkeit hat.

 

Spruch an der Wand